Forest of Life Ticker

Dies ist unsere Pressestelle, hier halten wir Sie künftig über Aktuelles und Wissenswertes aus den Regenwäldern auf dem laufenden. Wenn Sie auf interessante Informationen stoßen, wollen wir diese gerne verbreiten. Bitte e-mail an: fol@i3c.com. Gerne veröffentlichen wir auch Leserbriefe mit Ihrer Meinung.

Journalisten, die unsere Seiten als Daten-Quelle nutzen oder unsere eigenen neuen Meldungen abdrucken wollen, werden gebeten, auf "Forest of Life" hinzuweisen und ihre üblichen Honorarsätze auf das Regenwaldschutzkonto anweisen zu lassen.

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Forest of Life zum Jahrtausendwechsel  

München / Manaus, Januar 2000

Forest of Life zum Jahrtausendwechsel

Liebe Freunde, Förderer und künftige Förderer. Zum Jahrtausendwechsel ein Update unserer Aktivitäten zur Sicherung des Regenwaldgebietes „Floresta da Vida“.

Die erfreuliche Nachricht: Zum Jahreswechsel hat Forest of Life int. e.V. die erste Parzelle des Regenwaldschutzgebiets mit einer Fläche von 500 Hektar durch Kauf vor Zerstörung durch Holzabbau bewahrt. Es handelt sich dabei um die Parzelle Dois Irmaos an der östlichen Grenze (siehe Karte) des Grundstücks.

Bereits seit Dezember 1998 betreut unser Mitstreiter, der führende Amazonienkenner Dr. Eije Erich Pabst  das Projekt vor Ort. Wir haben dazu strategisch wichtige Zonen in Straßennähe durch eine 10-Jahrespacht gesichert und eine Infrastruktur mit Haus, Kommunikationsmitteln und einem alten VW-Bus aufgebaut und einen Waldhüter engagiert, der in Diensten von Forest of Life den unberührten Wald durch vor Invasion durch unkontrollierte Zersiedlung, Holzeinschlag und Wilderei schützt.

Seit Oktober 99 läuft unser Artenschutz-Projekt zur Wiederansiedlung seltener Papageienarten, die vor Jahrzehnten aus dieser Gegend verschwunden sind, weil in der Nähe der Millionenstadt Manaus kein sicheres Brutrevier besteht. Diesem Mißstand wollen wir durch gezielten Bau und die Bewachung von Nistmöglichkeiten abhelfen (Näheres unter „Projekte“). 

Geholfen haben uns Veröffentlichungen in der Münchner Abendzeitung und der Schweriner Volkszeitung, die unserem Anliegen jeweils eine ganze Seite widmeten. Die Seite und die Texte dazu finden Sie in unserem Amazonas-Ticker – News.

Rückenwind erhielten wir auch durch einen Besuch unseres Bundesaußenministers Joschka Fischer, der sich im Sommer 99 anläßlich eines Besuchs in Manaus vier Stunden Zeit nahm, um sich von Dr. Pabst vor Ort über das Projekt informieren zu lassen. 

Wir hoffen auf Förderung durch Naturschutzmittel der öffentlichen Hand – bauen aber zugleich auf private Initiative und privates Engagement. Die Bayerische Naturschutzlotterie, die wir auf den Weg gebracht haben, hat bereits im ersten Jahr  beträchtliche Mittel für den Naturschutz erwirtschaftet. Für die Unterstützung dieser Lotterie haben wir besonders Münchens OB. Christian Ude zu danken, der die Schirmherrschaft übernommen hat.

Neben dem Marketing von Regenwaldhaferln und Buttons haben wir im Dezember 99 auch eine attraktive Patenschafts-Urkunde entwickelt. Wir haben von den ersten Firmenkunden die Rückmeldung erhalten, dass diese Urkunden in unserer Zeit ein interessantes Marketing-Instrument darstellen. Ihre Kunden waren begeistert von der Idee, dass in ihrem Namen statt nettem Nippes etwas sinnvolles getan wurde. Auch Einzelspender freuten sich über die Patenschaftsurkunde, auf der sie mit Namen ausgewiesen sind. Ein schönes Gefühl zu wissen, dass Forest of Life z.B. mit dem Einsatz von nur 40 DM mehr als 1200 m² Regenwald durch Kauf in ihrem Namen sichern kann.

Patenschafts-Urkunde

Von Claus M. Schmidt (fol) Mit den Regenwäldern sterben unsere nächsten Verwandten / Primatenforscher warnen vor Artentod / 25 Affenarten in Not
Washington (ff) - Im letzten Jahrhundert ist keine einzige Primatenart ausgestorben. In diesem Jahrhundert kann sich das ändern. Die führenden Primatenexperten der IUCN - International Union for Conservation of Nature schlagen Alarm. 25 Arten von Affen und Menschenaffen droht der Artentod. Von einigen dieser bedrohten Spezies leben nur noch wenige hundert Tiere.

"An der Schwelle des neuen Millenniums können wir Zeugen werden, wie einige unserer nächsten Verwandten im Tierreich für immer verloren gehen - und mit ihnen 25 artenreiche Lebensräume, die diese hoch entwickelten Tiere hervorgebracht haben," so Russell Mittermeier, Präsident der Primate Specialist Group, der Primaten-Experten der IUCN.

Von den 25 Primaten auf seiner Liste finden sich 24 in nur sieben Regionen, die von der IUCN als "Biodiversity Hotspots", als Zentren der Artenfülle registriert sind. Die meisten dieser Arten sind durch Zerstörung ihres Lebensraumes, meist tropischer Regenwälder bedroht, einige Arten werden noch immer als "Buschfleisch" bejagt. Auch die biomedizinische Forschung und der Fang und Handel von Affen und Menschenaffen als Hausgenossen fordern ihren Tribut. "Die Chancen, dass wir 20 Prozent aller Primatenarten innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre verlieren, wenn wir nicht sofort Schutzmaßnahmen einleiten, stehen 50 : 50", schildert Mittermeier die dramatische Situation. Dabei sind einige der bedrohten Arten, wie der Delacour Langur in Vietnam, der Goldene Bambuslangur von Madagaskar und ein noch unbenanntes Krallenäffchen vom Amazonas erst kürzlich von der Wissenschaft nur 2 Stunden westlich von Manaus entdeckt worden.

Wie Ernst die Lage ist, wird deutlich durch das Fehlen des Berggorillas auf der IUCN-Liste. Nach der Entdeckung neuer Vorkommen im "Impenetrable Forest" von Uganda dürfte der weltbestand, der noch kürzlich auf rund 400 Köpfe beziffert wurde, nach Schätzung der IUCN-Experten bei über 1000 Köpfen liegen. Das Zehnfache des Bestands vom Goldkopf-Lemur, aus Vietnam, der zu den insgesamt fünf für Südostasien gelisteten Arten gehört. Sein Vorkommen beschränkt sich auf die kleine bewaldete Insel Cat Ba in der Bucht von Halong. In dem überschaubaren Lebensraum, der den gesamten Weltbestand einer Tierart beheimatet, zählten Mittermeier und Kollegen nicht einmal 100 Tiere als letzte Vertreter ihrer Art.

Im Wald steht ein Vermögen rum
Victoria (fol) Im Wald steht ein Vermögen rum/ Bäume so teuer wie ein Mercedes (A-Klasse)/ Waldfrevler machen Riesenkasse/ Genetische Fingerabdrücke sollen Holzdieben nun das Handwerk legen/ Eine Chance für dnachhaltige Nutzung von Tropenholz?

– "Sie brauchen sich nur eine Motorsäge zu kaufen und suchen in den Wäldern nach einer gut gewachsenen Rotzeder, dann können Sie sich einen Baum auf den Truck legen, den Sie in der Fabrik für 24.000 bis 30.000 Kanadische Dollar (30 bis 40.000 DM) verkaufen können", so Dr. Eleanor White, die im Auftrag des "Canadian Forest Service" im Bundesstaat British Columbia nach Mitteln gegen den boomenden Holzdiebstahl forscht. Die Chancen erwischt zu werden sind im dünn besiedelten Flächenstaat verschwindend gering. Genauer gesagt – sie waren es – denn nun machen die Behörden Ernst, setzen Hightech-Methoden gegen Baumdiebe ein.

Die illegale "Axt im Walde" ist nicht nur seit jeher Naturschützern ein Dorn im Auge, die sich um wildgewachsene Baumriesen in den Schutzgebieten sorgen – die klammheimliche Schattenwirtschaft beschäftigt inzwischen auch Kanadas Finanzämter, denen bei diesen Geschäften beträchtliche Steuergelder verloren gehen. Auf 20 Millionen $ wird der jährliche Umsatz an gestohlenem Holz alleine in Britisch Kolumbien beziffert. Holzpreise boomen und immer mehr Händler lassen sich auf krumme Geschäfte ein, seit der weltweite Bedarf an dem Rohstoff in den letzten 25 Jahren um 36 Prozent auf ein Handelsvolumen von 400 Milliarden US$ angewachsen ist.

Holzdiebe müssen sich bald nach neuen Jobs umsehen, denn den Förstern ist es in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Kriminologen gelungen, genetische Fingerabdrücke von Bäumen zu erfassen und zu kartieren. Diese "Genetischen Marker" lassen – noch Jahre nach der Tat - sogar die Herkunft eines Frühstücksbrettchens jederzeit zweifelsfrei klären.

Jede Rotzeder – wie andere Bäume auch – trägt charakteristische, immer wiederkehrende Sequenzen in ihrer DNS, sogenannte Mikrosatelliten. Aus der Anordnung von zehn dieser Merkmale, die Dr. White inzwischen identifiziert hat, kann sie die Herkunftsregion jedes Holzstückchens klären und sogar Baumstümpfen zuordnen , Ästen und Borke, die am Tatort zurückgeblieben sind.

Zum Jahresende ist das Verfahren reif für den ersten Feldeinsatz. Dann plant das Kanadische Forstministerium, es Entwicklungsländern zur Verfügung zu stellen und ihnen damit helfen, ein großes Problem zu lösen: Wegen der internationalen Abkommen zum Schutz der Tropenwälder kann ihr kostbares Holz aus Plantagenwirtschaft nämlich bisher weltweit kaum vermarktet werden Immer wieder finden sich in den Lieferungen Bäume aus geschützten Regionen oder zumindest zweifelhafter Herkunft. Ein einwandfreier Nachweis für sauberes Plantagenholz dürfte gerade den armen Ländern den wichtigen Zugang zum Weltmarkt öffnen.  


Wie Nachtigall und Grasmücke Leidtragende der Regenwaldzerstörung werden
Wie Nachtigall und Grasmücke Leidtragende der Regenwaldzerstörung werden/ Kinderstube zwischen Eichen, Kiefern und Holunder – Winterquartier in tropischen Wäldern

München (FOL) – Die Bestände unsere heimischen Gartengrasmücke, der Mönchsgrasmücke, des Fitis, der Nachtigall, des Gartenrotschwanz, der Nachtigall und des Pirol gehen jährlich um ein Prozent zurück. Diese erschreckende Bilanz einer 25-jährigen Untersuchung an Zugvögeln durch Ornitholgen der Max Planck-Gesellschaft veröffentlicht die Zeitschrift "Naturwissenschaften" in ihrer August-Ausgabe.

Am stärksten vom Niedergang betroffen sind jene Arten, deren Winterquartiere in den Regenwäldern südlich der Sahara liegen. Es wird vermutet, daß Ihr Schwinden mit der Zerstörung dieser Wälder zusammen hängt.

Damit folgen sie dem Schicksal von "Bachmanns Warbler", dem einst weit verbreiteten amerikanischen Gelbstirn-Waldsänger, dir in den 60er Jahren ausstarb, als seine Winterquartiere in Kubas Regenwäldern abgeholzt waren.


Auf dem Weg zum perfekten Baum
Quelle:
Economist, 18. Juli 1998 / Forest of Life
Auf dem Weg zum perfekten Baum/ Nach Soja und Tomaten kommen nun die genmanipulierten Bäume/ Störfall in Schleswig-Holstein/ Zitterpartie mit Zitterpappeln/ Kein Platz für Vögel

Brisbane (fol) – Die Wälder werden weiterhin rauschen, die Bäume werden aussehen wie immer, sie werden Sauerstoff produzieren und Schatten spenden – aber es werden nicht mehr dieselben sein. Etwas wird fehlen – und etwas winziges wird dazu kommen. Nicht die Kettensäge wird dem alten Forst den Garaus machen – ein leises Massaker der neuen Dimension, weit nachhaltiger als die alten Holzfäller bereiten Bio - Wissenschaftler vor. Sie sind dabei, das Erbgut der Wälder zu verändern. Im Reagenzglas, mit den neuen Hightech - Verfahren der Genmanipulation. Noch ist unklar, ob sich die neue Technik beherrschen läßt , und welche Auswirkungen sie auf das heikle Ökosystem der Wälder haben wird. Der erste Störfall von Schleswig Holstein verlief fast unbemerkt.

Wenig ist bisher bekannt über die genetische Ausstattung von Bäumen – doch immerhin soviel: Eine einzige Fichte enthält zehnmal mehr DNS im Erbgut als ein Mensch. Eine vollständige Kartierung, wie im Jahrhundertwerk "Human Genome-Project" demnächst in Sicht, ist aus praktischen und wirtschaftlichen Erwägungen undenkbar. Die lange Generationenfolge, die bei anderen Gen-Pflanzen wie Tomaten oder Soja nur wenige Wochen beträgt, erstreckt sich bei Bäumen über Jahre. Das macht Experimente für gentechnische Veränderungen so mühsam, langfristig und teuer. Doch was eben noch als Luxus galt, wird heute weltweit von 15 forschenden Unternehmen der Biotechnologie mit Macht vorangetrieben.

Dahinter steht eine gewaltige Industrie: Auf vierhundert Milliarden US Dollar beziffert die Ernährungs-und Landwirtschafts-Organisation der UN den gegenwärtigen Jahresumsatz mit Holz. Um 36 Prozent ist der Bedarf nach ihren Angaben in den letzten 25 Jahren gestiegen – und trotz aller Bemühungen um Nachhaltigkeit und Recycling von Papier wächst die Nachfrage ungebremst.

Die Wissenschaftler von ForBio im australischen Brisbane, einem der großen Institute, die sich um die genetische Optimierung von Bäumen kümmern, identifizieren und katalogisieren derzeit genetische Fingerabdrücke von 10 verschiedenen Arten der Akazie und des Eukalyptus. Wo immer die charakteristischen Gen-Sequenzen der Bäume wünschenswerten Eigenschaften eines Elternbaumes zugeordnet werden können, kombinieren die Biologen es zur Samenbildung mit einem Gegenstück, das ebenfalls diese Eigenschaften aufweist.

Erwünscht sind Bäume, die resistent sind gegen Insektenbefall und Windbruch, die schnell wachsen, die eine hohe Toleranz gegenüber salzigen Böden aufweisen und die wenig Lignin enthalten. Lignin, der molekulare Holzleim ist nämlich bei der Verarbeitung von Holz zu Papier und Zellulose hinderlich, die Entfernung verursacht Produktionskosten.

ForBio hat bereits die ersten schnellwachsenden Eukalyptus-Setzlinge nach Indonesien exportiert – bis zum Jahr 2000 sollen weitere genetisch optimierte Bäume aus den ForBio-Labors weltweit ausgebracht werden. Für die Anpflanzungen der salztoleranten Gen-Bäume im versalzenen australischen Murray Darling Becken läuft ein Genehmigungsverfahren.

Der Ölmulti Shell läßt auf Versuchsplantagen in Uruguay und Chile Eukalyptusbäume wachsen, deren genmanipuliertes Lignin sich in der Weiterverabeitung leicht lösen läßt und der "Canadian Forest Service" in Quebec experimentiert mit schädlingsresistenten Fichten. Die Setzlinge tragen modifizierte Insektengene, die ein Protein enthalten, das Pilzbefall verhindert. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob die Resistenz während des Wachstums erhalten bleibt.

Naturschützer sehen in den neuen Verfahren eine Chance, daß durch die neuen, voraussichtlich hochproduktiven Waldplantagen der Druck der Märkte von den letzten Primärwäldern der Erde genommen wird. Zugleich befürchten sie aber, daß die transgenen Wälder zu einem weiteren Schwinden den Artenfülle beitragen – denn ohne Käfer und Larven verlieren Vögel ihre Nahrungsgrundlage, ohne Pilze und Fäulnis im Stamm kann kaum ein Höhlenbrüter sich sein Nest bauen – und ob die unterirdische Gemeinschaft der Mikroorganismen im Waldboden in Monokulturen von keimresistenten Wurzeln überleben kann, ist alles andere als klar. Ein Forschungsprojekt der Quebecer Gruppe untersucht gerade mögliche Wechselwirkungen, u.a. ob das modifizierte Erbgut diese nützlichen Bodenorganismen infiltrieren kann.

Und schließlich stellt sich die Frage, ob das Experiment beherrschbar ist, sich die Erbsubstanz dieser neuen Wälder nicht unkontrolliert in die Keimbahnen vom Rest der Welt einmischen wird

Um wenigstens dieses Risiko in Grenzen zu halten, setzt ForBio auf sterile Bäume, die sich weder von selbst aussähen können, noch in der Lage sind, in sexueller Vermehrung durch Pollenflug das Erbgut natürlicher Bäume zu verändern. Es klingt ein wenig nach Jurassic Park, wo man innerhalb eines geschlossenen Systems das Vermehrungsproblem der schrecklichen Echsen steuern wollte, indem man nur Exemplare eines Geschlechts erbrütete. In der Hollywood - Phantasie hat das – ein winziger Denkfehler war Schuld - jedenfalls nicht geklappt.

Wie leicht solche Denkfehler auch in der Wirklichkeit Blüten treiben, zeigte jetzt ein "Störfall" in Schleswig Holstein. Auf einem Versuchsfeld im Kreis Stormarn hat eine von 480 gen-veränderten Zitterpappeln vier Jahre vor dem erwarteten Termin ihre ersten Blüten getrieben. In Pollen und Samen dieser Bäume dürfte sich das sogenannte ro/C-Gen finden, das unter anderem bei nicht manipulierten Pflanzen für Bonsai-Wuchs sorgen kann. Der Betreiber hat die Gefährdung durch transgenen Samenflug erst im siebenten Jahr kalkuliert.

Das Kieler Umweltministerium als Aufsichtsbehörde des seit drei Jahren laufenden Freiland-Experiments, hat nach Entdeckung des Störfalls die sofortige Entfernung der Zitterpappeln angeordnet.



Neues aus dem Regenwald
Sechs Jahre nach der großen UNCED-Konferenz von Rio de Janeiro schreitet die Zerstörung der Regenwälder ungebremst fort. Es scheint, als ob der Rio-Impuls auf dem Instanzenweg an Schwung verloren hat. Schauen Sie doch nur mal in den "Wald ohne Bäume", die aufschlußreiche Liste von Abkürzungen.
Das Thema "brennt": Anfang 1998 meldete Brasiliens Umweltminister Gustavo Krause, daß vom größten Regenwaldgebiet der Erde, dem Amazonas, zwischen 1978 und 1996 12,5% (500.000 km²) Holzfällern, Rodungen und Bränden zum Opfer fielen.


Waldbrände durch Mega-Niño/ Jahrhundertdürre in Brasiliens Nordosten
Quelle:
Der Spiegel, 8. Juni 98
Brasilien – 1997/98 ist kein gewöhnliches El-Niño-Jahr – dem Nordosten Brasiliens droht eine Jahrhundertdürre, wie 1877, als 500.000 Menschen im Bundesstaat Ceara verhungerten.

Durch die Trockenheit sank der Pegel einiger Flüsse im Amazonasgebiet um sechs bis sieben Meter, gerieten zahlreiche Brandrodungen außer Kontrolle. Diese Feuer verwüsteten Teile des Amazonas-Bundesstaates Roraima.



Fische im Internetz/ 240 neue Arten in den unbekannten Tiefen des Amazonas entdeckt
Quelle:
http://eebweb.arizona.edu/fish/calhamaz.html
Hier hält Dr. Lundberg Sie über seine Forschungen auf dem laufenden. Wer mehr über die Fischwelt von Zentral- und Südamerika erfahren möchte klickt: http://www.keil.ukans.edu/~neodat.
Tucson/Arizona (fol) – Ein erster Fischzug in den düsteren Tiefen des Amazonas durch ein Forscherteam der Universität von Arizona in Tucson brachte 240 neue, bisher unbekannte Fischarten an den Tag. Tiefen jenseits zehn Meter galten bisher als unzugänglich, weil Netze und Angeln sich in einem Wald aus toten Bäumen verfangen. Das Forscherteam unter Leitung des Ichtyologen Dr. John G. Lundberg befischte nach Echolot-Klärung erstmals Zonen bis in 30 Meter Tiefe und verlängerte auf Anhieb die Liste der bisher bekannten 2000 Arten um 240. Unter den neuen Arten sind elektische Fische, zahlreiche augenlose und hochgradige Spezialisten, wie der Raubfisch Magosternachus duccis, der sich eine einzigartige ökologische Nische erobert hat: in den Mägen des Räbers fanden sich Mengen abgebissener Schwänze anderer Fische. Lundberg vermutet, daß Magosternachus die Dunkelheit nutzt, andere Fische von hinten anschwimmt und ihre Flossen mit seinen messerscharfen Zähnen blitzschnell abkappt. Im Mündungsgebiet des Rio Negro (unmittelbar neben dem Forest of Life), hat der Strom mit über 100 Meter seine tiefste Stelle. Hier erwartet Lundberg weitere aufregende Entdeckungen.

Seitensprung im Regenwald/ Für die Nachbarin riskiert der Prachtstaffelschwanz Kopf und Kragen
Australien(fol) - Der australische Prachstaffelschwanz, zu Hause in den Regenwäldern von Queensland, tritt auf wie ein Kavalier der alten Schule. Immer wieder bringt der prächtige Dandy mit dem blau schillernden Kopf seinem unscheinbar braunen Weibchen die prächtigsten Blüten ans Nest. In seiner Heimat gilt er darum als Musterbeispiel ehelicher Treue.

Was bisher unbekannt war: Dieselben Liebesgaben verteilt der Kavalier auch an alle Weibchen in der Nachbarschaft. Das hat der Biologe Roul Mulder von der Universität Canberra festgestellt, der das ungewöhnlich formvollendete Balzverhalten der Männchen über mehrere Monate im Freiland beobachtete. Der Blumengruß des kleinen Vogels ist nämlich ein Phänomen. Da draußen im Busch ist eigentlich kein Platz für Galanterien, die zwar schön, aber auch höchst gefährlich für den Überbringer sind. Schließlich zieht das ohnehin auffällige Männchen, aufgeputzt noch durch sein leuchtendes Blütenbukett, bei seinen galanten Ausflügen auch die Aufmerksamkeit von Raubfeinden auf sich.

Dabei geht es ihm nicht um unmittelbaren Sex, wie der Forscher berichtet (Australian Journal of Zoology, vol.45) - vielmehr scheint der kleine Vogel mit seinen großzügigen Gaben die Weibchen zu umgarnen und mit seinen Möglichkeiten zu prahlen. Die selbstbewußte Botschaft an die Weibchen interpretiert Mulder so: Seht her, wie fit ich bin, mir kann keiner!

Eine Botschaft, die offenbar ankommt. 76 Prozent aller Jungen im Nest, so die Vaterschaftsanalyse des Forschers, stammen nicht vom jeweiligen Ehepartner des Weibchens. Damit ist der Prachtstaffelschwanz in der Statistik der Verhaltensforscher Weltmeister im Seitenspringen. Gene lügen nicht - aber wann und wie es geschieht, daß die Nachbarinnen schwach werden, ist noch unklar. Die Seitensprünge laufen so heimlich und schnell ab wie im Weißen Haus - nicht einmal der Verhaltensforscher, der rund um die Uhr wie ein Detektiv auf der Lauer lag, konnte sogenannte "extra-pair copulations" beobachten. Klar scheint nur, daß die Weibchen dieselbe Zeit, die ihr Gatte mit Blumengrüßen an die Nachbarin zubringt, dazu nutzen, ihren Nachbar-Kavalier mit seinen Blumen zu empfangen.


Quelle: WWF, Juni 1998 Seit August 1997 verbrannte in Borneo eine Regenwaldfläche von der Größe Hessens.

Money for nothing/ US-Umweltberater kritisieren ineffektive Biodiversitäts-Programme
Quelle:
Quelle: New Scientist, 6. Juni 98
Förderung für Hü und Hott

Washington (fol) – Viel Geld ist geflossen. Entwicklungsländer begrüßten auf der UNCED-Konferenz in Rio die Einrichtung der GEF (Global Environment Facility) durch die UN und die Weltbank. 34 Geberländer stellten 1,6 Milliarden US$ für Umweltmaßnahmen in der 3. Welt bereit. Die Mittel des GEF-Programms sollten zur Erhaltung der Biodiversität, zum Schutz der Ozonschicht und der Atmosphäre dienen.

25 unabhängige Umweltberater nahmen jetzt die 230 geförderten Projekte unter die Lupe. Fazit der Studie: die Förderungen waren bestimmt durch nationale Rivalitäten und im Sinne eines konsequenten Naturschutz nicht nachvollziehbar. Die Studie kritisiert, daß wissenschaftliche Kriterien nicht herangezogen wurden. Gareth Porter, Sprecher der Experten-Gruppe: "They don’t want scientists telling them what is globally important." Das GEF-Sekretariat in Washington DC selbst vermißt neben der Beteiligung von wissenschaftlichen Kriterien besonders die Mitarbeit lokal agierender Nichtregierungs-Organisationen.

Im gleichen Zeitraum nach Rio förderte die Weltbank Projekte zur Erschließung fossiler Brennstoffe in Entwicklungsländern mit einem Volumen von 9,4 Milliarden US$. Die stehen den GEF-Zielen klar entgegen. Dazu kommen enorme Mittel für Damm- und Straßenbau und intensive Landwirtschaft, die geschützte Ökosysteme bedrohen. Kamerun plant derzeit mit Mitteln der Weltbank eine Öl-Pipeline, die 1000 Kilometer durchs Land bis zum Tschad führen soll. Diese Pipeline wird durch einen der letzten intakten zentralafrikanischen Regenwälder führen.



Orang Utans sterben in den Flammen
Quelle: Das Tier, Juni 1998 Borneo – Das Gros der letzten 25.000 Orang- Utans lebt auf Borneo. Seit Ende 1997 gingen mehr als 6000 Quadratkilometer Tropenwald in Flammen auf. 5000 Menschenaffen kamen bisher in den Feuern um. Die Auswilderungsstationen , die versehrte Brandopfer bergen und versorgen, sind am Ende ihrer Kapazität.

Verwüstung bedroht ein Drittel der Erde
Quelle:
New Scientist, 6. Juni 98
Washington (fol) – Wo die Wälder schwinden, schreitet die Verwüstung fort. 30 Prozent der Landmasse der Erde sind von Verwüstung bedroht: 1 Million Hektar in Afrika, 1, 4 Millionen Hektar in Asien. Die Kosten, die dadurch entstehen, werden auf jährlich 42 Milliarden $US beziffert.

Marihuanafelder statt Regenwälder/Kenias Nationalparks vor dem Bankrott/Wildlife Direktor nimmt den Hut
Nairobi (fol) - Die schlafenden Löwen von Amboseli haben wieder ihre Ruhe. Vorbei die Zeiten, als im 5-Minutentakt ein neuer Zebra-gestreifter Minibus vorfuhr und die Kameraverschlüsse der Safari-Touristen in Serie klickten. Der nächste Bus - derselbe Löwe...Vorbei die Zeiten, als Rhinos und Elefanten im Massai- Mara- Reservat sich gelegentlich von ganzen Wagenburgen eingekesselt sahen, denn nach den bewaffneten Überfällen auf Safari-Busse, Morden an Ausländern, den Unruhen in Nairobi und Mombasa sanken die Zahlen der Kenia-Besucher 1997 unter 50 Prozent der Vorjahres-Zahlen.

Schlimmer noch traf es die zahllosen Safari-Unternehmen, weil nach den Vorfällen niemand mehr die gesicherten Hotel-Ressorts verlassen wollte. Lange galt Kenia als das große Modell für Ökotourismus. Die attraktive Tierwelt der Nationalparks zog seit Anfang der 90er Jahre jährlich über 800.000 Besucher an. Nach Berechnungen der Tourismus-Behörden erwirtschaftete ein einziger Elefant als Besucher-Magnet im Jahr $ 14.375 an Devisen, im Laufe seines Lebens also $ 900.000. Diese größte Devisenquelle des Landes finanzierte zugleich einen effektiven Schutz der großen Wildlife-Attraktionen wie Elefanten und Rhinos, und ein vorbildliches System von Nationalparks. Doch nun, da die Touristen-Dollars ausbleiben, schreiben Nationalparks und Elefanten tiefrote Zahlen. Das Naturschutz-System der Wildlife-Behörde ist Pleite - und handlungsunfähig, andere Erwerbszweige versprechen mehr Umsatz.

So wurde der westliche Teil des Nakuru-Nationalparks bereits umgewidmet und verkauft, im Tsavo Nationalpark zwischen Mombasa und Kenia haben erste Firmen die Lizenz, Edelstein-Vorkommen auszubeuten. Nach Angaben von Kenias Wildlife Direktor David Western (53) unternimmt die Regierung trotz seiner Appelle auch nichts gegen die wuchernden Marihuana-Farmen im Mount Kenia Nationalpark und den umliegenden geschützten Wäldern. Von den letzten 2,5 Prozent an Urwäldern, die noch das Land bedecken, fallen immer mehr Stücke weiterer land-und forstwirstschaftlicher Nutzung zum Opfer. Laut Western wurde die Wildlife-Behörde von "ministerieller Ebene" aufgefordert, in der jetzigen wirtschaftlichen Situation solche Übergriffe zu tolerieren.

David Western, seit 1994 Nachfolger des in internationalen Naturschutzkreisen renommierten Richard Leakey zog jetzt die Konsequenz: Seit Anfang des Jahres hatte sich der Wildlife Direktor noch, mit Straffung, Lohnkürzungen und Personaleinsparungen bemüht, die Behörde gegen alle Widerstände weiter zu betreiben. Doch als eine zugesagte Soforthilfe des Finanzministeriums über rund 6 Millionen DM für die handlungsunfähige Behörde jetzt überraschend ausgesetzt wurde, legte er sein Amt nieder.



Bienen an der Blütenapotheke/ Wie Clusia grandiflora für ihre Kundschaft sorgt
Fairbanks/Alaska (fol) - Unwiderstehlich zieht die rotweiße Blüte der tropischen Clusia-Strauches Bienen an. Und die tun gut daran, der duftenden Versuchung des Kelches zu folgen. Denn Clusia grandiflora, zu Hause in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas, hält neben den Pollen auch eine starke Arznei gegen Infektionskrankheiten im Bienenstock bereit.

Eine bakterielle Bienenseuche, die ganze Stöcke dahinrafft, wird durch ein potentes Antibiotikum aus der Blüten - Apotheke in Schach gehalten. Der Botaniker John Loquvam von der Universität Fairbanks impfte Kulturen der Erreger mit Blütenpollen der Clusia und stoppte damit jegliches Wachstum ebenso effektiv wie mit starken handelsüblichen Antibiotika. Die weiblichen Clusia-Pflanzen erwiesen sich dabei als erheblich durchschlagender, als ihre männlichen Gegenstücke. Loquvam vermutet, daß die weiblichen Blüten über diesen gesundheitlichen Nutzen ihre Attraktivität bei den Bienen steigern. Die männlichen Sträucher setzen dagegen mehr auf Masse - sie bilden im Schnitt 15mal mehr Blüten aus.

Hoch

 
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